18.06.2015 12:29

Interview mit Elisabeth Opel

Im Rahmen der Telekom Campus Cooking Aktion vom 15. bis 18.06.2015 in der Mensa Neubrandenburg.

Foto: Elisabeth Opel

Warum sind Sie Köchin geworden und wann stand dieser Entschluss für Sie fest?

Oh, das ist ja eine richtige Knallerfrage zum Anfang. Lacht. Also, ursprünglich habe ich gedacht ich will nach dem Abitur studieren und zwar wollte ich Tiermedizin studieren, dann war es aber so, dass ich einfach ein wahnsinnig schlechtes Abitur hatte und dementsprechend habe ich keinen Studienplatz bekommen. Dann habe ich mir überlegt: Moment mal, ich bin ja im Wirtshaus groß geworden, ich mach jetzt einfach das was ich schon immer am besten kann, nämlich Kochen. Dann habe ich bei Alexander Herrmann, dem Fernsehkoch, eine Ausbildung angefangen und so hat alles begonnen.

Sie leiten ja jetzt eine renommierte Kochschule – Wie kann man sich das vorstellen, für wen werden dort Kochkurse angeboten?

Ich habe selbst keinen festen Standort einer Kochschule. Das heißt ich werde von ganz vielen Kochschulen in ganz Deutschland gebucht, reise dort hin und gebe dann entsprechende Kurse, wie zum Beispiel Kinderkochkurse, Grillkurse, Junggesellenabschiedskochkurse, Geburtstagskochkurse, alles Mögliche, momentan auch viele Vegan-Kochkurse oder Sushi-Kochkurse, lauter solche Sachen. Das muss man sich natürlich alles erstmal aneignen, bevor ich das jemandem erkläre. Vor Allem natürlich solche Sachen wie Sushi oder auch das mit dem Grillen. Grillen, das ist eine ganz andere Welt, als das Kochen, was man aus der Küche kennt.

Wie sind Sie zur Aktion Campus Cooking gekommen?

Durch Stefan Wiertz. Ich habe ihn immer mal wieder getroffen, wenn ich mit Herrn Herrmann, bei dem ich Auszubildende war, unterwegs war. Und ich weiß nicht warum, aber Stefan war für mich immer schon so eine Art Ziehvater. Er hat immer schon geguckt, warum auch immer, ob es mir gut geht. Hat mich immer mit zum Essen genommen und mich auch öfter mal eingeladen und irgendwann hat er mal gesagt: „Du bist doch jetzt selbstständig, wie wäre es denn, hast du nicht mal Lust beim Campus Cooking mitzumachen? Ich habe nicht lange überlegt und auch schnell gemerkt, dass das genau das Richtige für mich ist.

Sie selbst haben ja eine Zeit lang studiert, können Sie sich an das Mensa Essen erinnern und wie fanden Sie es?

Ja, ich habe in München studiert und ich muss ehrlich sagen, dass meine erste Mensa Erfahrung leider überhaupt nicht positiv war, weil es für mich ein Schock war. Es waren einfach unglaublich viele Menschen, die alle dort anstanden und ich hatte überhaupt keine Chance zu sehen, was es überhaupt zu Essen gibt. Und dann hat man da so eine in drei Teile unterteilte Platte bekommen, was mich total an Gefängnis erinnert hat. Und dann Klatsch - Klatsch – Klatsch, ganz unfreundliche Mensa Mitarbeiter und ich muss sagen Gott sei Dank habe ich so etwas in meiner ganzen Campus Cooking Erfahrung nie mitmachen müssen. Da waren immer alle freundlich, die hatten Spaß an ihrem Job, also das muss wirklich eine Ausnahme gewesen sein. Als Studentin bin ich danach nie wieder in die Mensa gegangen, sondern habe lieber selber gekocht. Aber die Erfahrungen, die ich jetzt hier so gemacht habe, waren durchweg positiv.

Mit Campus Cooking haben Sie ja jetzt bereits hinter die Kulissen vieler verschiedener Mensen blicken können, wie haben Sie das erlebt, hat Sie etwas erstaunt, verwundert oder verärgert?

Also ich bin grundsätzlich immer sehr dankbar, dass ich überhaupt dabei sein darf, und bin froh, dass ich so viele tolle Menschen kennenlernen darf. Grundvoraussetzung bei diesem Job ist, dass du Menschen liebst, es reicht nicht sie zu dulden, du musst sie lieben und dann kannst du auch über manche Sachen hinweg schauen. Es gibt Mensen, da denkt man manchmal, Okay, diese Aktion wurde den Küchenchefs aufgebrummt und dann kommst du dahin und dann ist erst mal vorneweg nicht so eine gute Stimmung, aber da musst du Profi genug sein, zu schaffen, das Ruder rumzureißen. Das sehe ich auch als meinen Job, wirklich zu vermitteln: Ich bin nicht da, um euch das Kochen zu lernen, ich bin da, um mit euch eine Woche toll zu kochen und einfach Spaß zu haben. Und das ist ganz ganz wichtig. Man darf auf gar keinen Fall da hochnäsig sein, man sollte immer auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern dort sein. Und Zickigkeit hat da auch nichts verloren.

Letztes Jahr waren Sie an unserer Mensa in Stralsund und haben für die Studierenden gegrillt, wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Also die Zeit war insofern schon mal besonders, weil in dieser Zeit der Start der Fußball WM war. Das war dann so ein Auslöser, dass alle so super positiv gestimmt waren und alle gut gelaunt waren und dann haben die Deutschen in dieser Woche auch noch direkt gewonnen und dann war es ein einfaches Spiel für mich.

Noch dazu muss man sagen, dass die Mensa Mitarbeiter und der Küchenchef Herr Beitz einfach super waren. Die haben mich direkt aufgenommen und gleich in den ersten zwei Minuten einen Kaffee hingestellt mit einem „Fühl dich wohl“ und auch gleich das Du angeboten und das ist einfach ein perfekter Start. Und ich muss leider sagen, den habe auch ich nicht immer.

Wenn du dann da so empfangen wirst wie in Stralsund, fühlst du dich natürlich willkommen und dann kann es auch gleich losgehen und du hast dann auch selber Lust auf die Woche. Aber hier in Neubrandenburg ist es genau gleich gewesen. Die Tür ist aufgegangen und gleich „Ahh schön, dass Sie da sind!“ „Möchten Sie einen Kaffee?“ Das war toll und mit Kaffee hat man mich eh schon. Lacht.

Auf was haben Sie sich in Neubrandenburg am meisten gefreut?

Ich habe mich in Neubrandenburg auf die Leute gefreut, weil das Vorgespräch schon wirklich sehr positiv war. Herr Bielang hatte zwar nicht viel Zeit, aber da wusste ich gleich, dass das ein ganz ausgeglichener Mensch ist und dass das passen wird. Und dann muss ich sagen, die Studenten, habe ich gestern direkt gemerkt, sind, obwohl sie ja nächste Woche schon Prüfungen haben, ganz entspannt. Die haben sich dahin gesetzt, haben unseren Eistee getrunken und waren wirklich sehr relaxed. Und was auch toll ist, ist natürlich die Gegend hier, das muss man wirklich sagen.

Haben Sie einen universellen Kochtipp für verzweifelte Studierende?

Also ich sag ja immer, ihr müsst nicht anfangen eine wahnsinnige Vielfalt an Lebensmitteln zu haben, sondern es reichen wirklich ein paar Lebensmittel, die auch für mich Zuhause immer da sind. Und zwar ein gutes Olivenöl, ganz tolles Meersalz und schöne Gewürze. Dann kann man schon alles damit anfangen. Dann kannst du jedes Gericht retten oder aufpimpen oder wirklich zu etwas besonderem machen. Zum Beispiel eine schöne Pfeffermischung über ein Stückchen Fleisch oder auch nur über ein Butterbrot geben, dann ist das Gericht schon mal direkt aufgewertet, weil du es in dem Moment dann zu etwas Besonderem gemacht hast. Das reicht eigentlich schon. 

Haben Sie selbst eine Art Grundsatz oder ein Motto, das Sie beim Kochen nie aus den Augen verlieren?

Also ich muss immer wieder feststellen, wenn ich nicht so besonders gut gelaunt bin, dann kann ich auch nicht gut kochen. Die Passion hört in dem Moment auf, wenn mich irgendwas bedrückt und das finde ich immer sehr interessant, wenn ich das bei mir selber beobachte. Außerdem ist mein Grundsatz mir selber treu zu bleiben. Deshalb versuche ich diese ganze Massentierhaltung zu umgehen und zu gucken, dass ich wirklich anständige Lebensmittel kaufe und verarbeite und das ist eigentlich das was ich wirklich versuche immer durchzusetzen.